„Es braucht weiterhin die Solidarität aller“

Noch immer beherrscht das Coronavirus unseren Alltag und die politischen Debatten. Der Blick richtet sich aber immer mehr auf die Konsequenzen, die aus der Krise zu ziehen sind und auf die Fragen wie mögliche Lockerungen aussehen können. Insbesondere die zum Teil intensiven Rufe nach einer schnellen Lockerung sehe ich mit großer Skepsis.

Seit Anfang dieser Woche gibt es Lockerungen der Beschränkungen im öffentlichen Raum. Ab nächster Woche weiten wir die Notbetreuung in unseren Kindertagesstätten deutlich aus und starten mit dem Schulbetrieb für die Abschlussklassen. Nach fünf Wochen des Herunterfahrens des öffentlichen Lebens ermöglichen wir damit auch zunehmend wieder Sozialkontakte. Das ist gut und richtig. Insbesondere Familien mit kleinen Kindern geben wir mit der Ausweitung der Notbetreuung in Kitas die Möglichkeit, Kinderbetreuung und Beruf wieder besser unter einen Hut zu bringen.

Ich sehe allerdings die große Gefahr, dass diese ersten Schritte einer vorsichtigen Öffnung missverstanden werden. Wenn wir uns die Situation in anderen Teilen der Welt vor Augen führen, wird sicherlich deutlich, dass die allermeisten Menschen in unserem Land von den Auswirkungen dieser Pandemie bisher nur gestreift wurden. Damit will ich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns, vor allem aber auch die psychischen Belastungen durch eine unsichere Lage, in der viele auf sich selbst und ein ganz enges privates Umfeld zurückgeworfen sind, nicht  missachten. Und dennoch ist es mir ein wichtiges Anliegen davor zu warnen, nun nach der raschen Öffnung weiterer Bereiche und einer Rückkehr zur Normalität zu rufen. Sicherlich gibt es Ungerechtigkeiten und Härten, die abgemildert werden müssen. Beispielsweise stellen viele die Frage, warum Läden öffnen dürfen, Sportvereine aber ihre Angebote weiterhin geschlossen halten müssen. Dazu muss ich sagen: Eine Pandemie und deren Auswirkungen sind ungerecht! Die jetzigen Maßnahmen sind notwendig, um Infektionen zu vermeiden. Grundlage für die bisherigen Entscheidungen ist die fachliche Beurteilung des Infektionsgeschehens und so sollte es auch bleiben. Wofür wir uns in Politik und Gesellschaft unbedingt auch in den kommenden Wochen und Monaten einsetzen sollten, sind Hilfen für diejenigen, deren Lebenssituation sich durch die Auswirkungen der Krise noch weiter verschlechtert hat. Hier wünsche ich mir und uns allen gelebte Solidarität, die sich nicht in Posts in den Sozialen Medien erschöpft. Unsere Solidarität muss sich im Handeln zeigen. Das bedeutet für mich den lokalen Handel zu unterstützen, selbstverständlich Vereinsbeiträge weiterhin zu zahlen und, wenn es die eigene wirtschaftliche Lage zu lässt, auch finanziell dort zu unterstützen, wo es erforderlich scheint. Und Solidarität bedeutet auch weiterhin: Abstand halten und versuchen sich auf anderen Wegen nah zu sein. Ein schönes Beispiel waren für mich die Briefaktionen an Pflegeheime, die es in einigen GRÜNEN Ortsverbänden gab oder die vielen Aushänge von Menschen, die auch ohne eine Organisation im Hintergrund ihre Hilfe angeboten haben.

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