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Historische Verantwortung: Aufarbeitung der Kolonialzeit

 

Als ehemaliger Kolonialmacht kommt Deutschland eine besondere Verantwortung zu, denn die betroffenen Völker kämpfen teilweise noch heute mit den Auswirkungen des damals geschehen Unrechts, wie den willkürlichen Grenzziehungen, der rücksichtslosen Herabsetzung ihrer Kulturen und schließlich der unrechtmäßigen Aneignung ihrer Kulturgüter. Eine Wiedergutmachung des damals verursachten und bis heute wirkenden Leides ist nicht möglich. Aber es ist durchaus möglich sich der daraus entstehenden Verantwortung zu stellen. Das Land Baden-Württemberg tut dies bei der Frage nach dem Umgang mit Kulturgütern, die zu Zeiten des Kolonialismus nach Baden-Württemberg gelangten und hier noch immer in Museen und Sammlungen aufbewahrt werden. Im Rahmen einer aktuellen Debatte unter der Überschrift „Die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte ist überfällig – und liegt in unserer Verantwortung“ beschäftigte sich der Landtag mit der Frage, wie die entsprechenden Bemühungen des Landes ergänzend zur Arbeit auf Bundesebene aussehen müssen. In diesem Zusammenhang ist die Rückgabe der Witbooi-Peitsche und Bibel des Nama-Anführers Hendrik Witbooi an das Land Namibia für die Nachfahren Witboois und für das Volk der Nama von großer Bedeutung und in meinen Augen ein wichtiges Zeichen unserer Demut vor der Vergangenheit. Wir müssen uns aber auch fragen, wie es in unseren städtischen Museen und Sammlungen aussieht. Als Mannheimer Gemeinderätin habe ich darum eine entsprechende Anfrage verfasst und gemeinsam mit der GRÜNEN Gemeinderatsfraktion eingebracht. Wir wollen damit herausfinden, ob in unseren städtischen Museen und Archiven ebenfalls Objekte vorhanden sind, die im kolonialen Kontext erworben wurden. Denn wir müssen auch als Stadt eine Diskussion darüber führen, wie wir uns unserer historischen Verantwortung stellen können. Klar ist: Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist der Schlüssel um die Gegenwart zu verstehen.

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