Mannheimer Vesperkirche: Einstehen für die Ärmsten

 

Etwas Wärme und persönliche Ansprache, ein warmes Mittagessen und etwas Gesellschaft. Das ist für Menschen, die auf der Straße leben oder jeden Cent zweimal umdrehen müssen von großer Bedeutung. Bereits bei meinem Informationstag ,Soziales‘ im vergangenen Jahr hatte ich die Möglichkeit mich mit dem Thema Obdachlosigkeit intensiv auseinanderzusetzen und mich auch mit Masterstudierenden der Universität Mannheim dazu auszutauschen. Aus dem Projekt der Studierenden entstand auch ein kurzer Film zum Thema Obdachlosigkeit in Mannheim. Nun hatte ich Anfang des Jahres bei einem Einsatz in der Vesperkirche wieder die Gelegenheit mich mit diesen Fragen zu befassen. Dort findet bereits zum 22. Mal die Aktion „Vesperkirche“ statt, die bis zu 600 Bedürftigen täglich Einlass bietet. Zahlen die eindrücklich zeigen, wie präsent das Thema in unserer Stadt ist.

Im Zeitraum zwischen dem 6. Januar und dem 3. Februar haben Besucher*innen täglich zwischen 11 und 15 Uhr die Möglichkeit in der Citykirche Konkordien ein warmes Mittagessen, Kuchen, warme Getränke und eine Vespertüte für den weiteren Tag zu erhalten. Das ermöglichen die zahlreiche Helfer*innen unter der Leitung der Pfarrerinnen Anne Ressel und Ilka Sobottke. Sie alle helfen tatkräftig mit Getränke und Essen zu verteilen, abzuspülen, Tüten vorzubereiten oder setzen sich einfach mal mit den Besucher*innen hin und führen Gespräche. Bis zu 50 Helfende kommen pro Tag – Alt und Jung. Auch Schulgruppen oder Verbände können sich als Helfer*innen anmelden. Wer in die Vesperkirche kommt, kann einen solidarischen Beitrag von vier Euro bezahlen, aber auch umsonst essen. Die Türen stehen für jeden offen – keiner wird ausgeschlossen.

Dies betonte Pfarrerin Ressel auch bei der Einweisung der Helfenden, als ich am Freitag, den 18. Januar, das Team in der Vesperkirche unterstützen durfte. Jeder solle sich willkommen fühlen, die Chance bekommen sich von der Kälte zu erholen und für ein paar Stunden einen Ort der Sicherheit haben. Das spüren auch diejenigen, die in die Vesperkirche kommen. Viele kennen sich untereinander und nutzen die Räumlichkeiten zum gemeinsamen Essen und  Beisammensein. Sie erhalten über Beratungsangebote z.B. durch das Diakonische Werk Mannheim und  Angebote der medizinischen Versorgung physischen und seelischen Beistand. Dass sie sich nicht für ihr Essen anstellen müssen, sondern bedient werden, ist für viele ein Luxus. Die Vesperkirche ist nicht nur für Obdachlose offen, sondern für jeden, der von Armut betroffen ist – dazu gehören auch viele ältere Menschen, deren Rente kaum zur Deckung der Alltagskosten reicht. In der Kirche erhalten sie alle Trost und Wertschätzung. Dass die Aufgabe für die Helfenden eine Herzenssache ist, spürt man im Umgang miteinander und mit den Besucher*innen.

Besonders berührt hat mich, dass viele der Gäste als Getränk warmen Kakao bestellten. Für mich bedeutet warmer Kakao Schutz, Geborgenheit und Erinnerungen an die Kindheit. Vielleicht ist das ja bei manch einem der Gäste in der Konkordienkirche auch so, dass das „Umsorgt werden“ dort auch schöne Erinnerungen weckt, die vielleicht lange vergessen waren. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die vielen Ehrenamtlichen, die dazu beitragen, dass auch die Menschen die nicht auf der Sonnenseite unserer Gesellschaft stehen, Wertschätzung und Würde erfahren.

 

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