Herkunftssprachlicher Unterricht: Integration und Sprachförderung müssen das Ziel sein

Kinder mit Migrationshintergrund haben es in unserem Schulsystem oft nicht leicht und machen überproportional häufig einen niedrigeren Schulabschluss als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig. Ein wichtiger Grund ist aber, dass wir in Sachen Sprachförderung noch immer stark hinterherhinken und auch in diesem Bereich viel zu wenig die wissenschaftlichen Empfehlungen berücksichtigen. Wie GRÜNE setzen uns darum schon lange dafür ein in Baden-Württemberg einen Schulversuch zum herkunftssprachlichen Unterricht zu starten. Dazu brauchen wir dringend Konzepte. Im Koalitionsvertrag mit der Landes-SPD war eine schrittweise Integration muttersprachlichen Unterrichts in das reguläre Schulangebot vereinbart bereits im Jahr 2011 vereinbart worden. Leider wurde dies vom damaligen SPD-Kultusminister Stoch mit Verweis auf die Kosten nicht umgesetzt. Umso erstaunlicher finde ich nun das Vorgehen der SPD-Fraktion bei einem Mannheimer Schulversuch, der nach dem Willen von Kultusministerin Eisenmann nach und nach eingestellt werden soll. Es handelt sich dabei um den Schulversuch des muttersprachlichen Unterrichts für Kinder aus griechisch-sprachigen Familien an der Mannheimer Waldhofschule. Diesen Schulversuch gibt es hier bereits seit über 40 Jahren. Seine eigentliche Zielsetzung war es,Kindern griechischer Gastarbeiterfamilien die Rückkehr ins Heimatland zu erleichtern. Darum wurden sprachhomogene Klassen gebildet, die in bestimmten Unterrichtsfächern nach griechischem Lehrplan und durch in Griechenland ausgebildete Lehrkräfte unterrichtet wurden. Wissenschaftlich begleitet wurde dieser Schulversuch, wie im Übrigen viele andere leider auch, nie. Nun sind sich heute wahrscheinlich alle einig, dass es nicht das Ziel des Unterrichts an baden-württembergischen Schulen ist Kinder mit Migrationshintergrund auf die Rückkehr ins Heimatland vorzubereiten. Und selbstverständlich wird so an der Waldhofgrundschule nicht gearbeitet. Vielmehr herrscht hier ein gutes Miteinander und eine enge Kooperation mit der griechischen Gemeinde. Es werden gemeinsam griechische Feste gefeiert und der kulturelle Austausch gefördert. Nichts desto trotz nehmen die Anmeldezahlen für die griechischen Klassen seit Jahren ab und nur durch großzügige Genehmigungen von Schulbezirkswechseln sind Eingangsklassen noch zu bilden. Ich bin darum sehr erstaunt, dass Politiker*innen aller Parteien nun eine Fortführung des bestehenden Schulversuchs zu den aktuellen Bedingungen fordern. Denn ist es nach wir vor so, dass nach einem griechischen Lehrplan gearbeitet wird und die Lehrerinnen in Griechenland ausgebildet sind und nur für wenige Jahre an die Waldhofschule abgeordnet werden.

Auch wenn ich den Wunsch der griechischen Community nachvollziehen kann, muss ich als Bildungspolitikerin sagen, dass ich für einen Schulversuch zu den bestehenden Konditionen und Zielsetzung in einem modernen Bildungssystem, dessen Ziel Integration und Sprachförderung ist keine Zukunft sehe. Ich setze mich allerdings mit all meinen bestehenden Möglichkeiten dafür ein, dass an der Mannheimer Waldhofschule ein neuer Schulversuch eingerichtet wird, um auf den bestehenden sehr guten Grundlagen und mit einer engagierten Schulleitung, ihrem Team und in Fortführung der sehr guten Zusammenarbeit mit der griechischen Community endlich in die Erprobung des herkunftssprachlichen Unterrichts einzusteigen. Dazu braucht es auf jeden Fall eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation. Welche Stadt in Baden-Württemberg wäre für solch einen zukunftsgerichteten Schulversuch geeigneter als Mannheim? Dafür werbe ich um Unterstützung bei allen, die ihre Verantwortung als Bildungspolitiker*innen ernst nehmen.

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